Steine mit Sitzen heißen in der Gegend nördlich von Grein ausschließlich Einsiedlersteine.

Auch wenn nicht jeder Stein gleich ein Wunder-, Schalen- oder Pechölstein ist, so hat fast jeder Bauernhof seine eigenen Felsen mit Türmen, Überhängen, Durchschlüpfen, Unter-ständen und Nischen in fantastischen Formen, wie sonst nur Wolken zu Vergleichen anregen.

Schalen und Opfersteine finden sich in der Gegend oft in unmittelbarer Nähe alter Rodungshöfe, die vermutlich schon uralte Vorläufer hatten, etwa beim Franzlsteiner-, Großberger-, Magenbausch-, Neuhauser-, Obersallmannsdorfer- und Tremetsberger-Gut.  Beim Franzlsteiner lautet ein Flurname „beim Opferstein“. Der Felsblock, auf den sich der Name bezieht, trägt eine Doppelschale und eine einzelne – unweit davon ein weiterer eine wannenförmige Ausbuchtung. Wieder einer bildet einen großen Unterstand, bei einem anderen führt eine Durchschlupfspalte in eine höhlenartige Erweiterung; etliche Türme sind nur mit Hilfe der Äste nahestehender Bäume zu erklettern, etliche mit Wachholderstauden gekrönt.

Diese Schalen werden allgemein in natürlich entstandene und künstlich gefertigtegegliedert: natürlich entstanden durch chemische Auswitterung, tropfendes Wasser, Wassermühlen etc. und künstlich ausgeriebene, ausgestemmte oder gebrannte. Ob eine Entwicklung von der einen zur anderen stattgefunden hat, ob gewisse Völker sich einer bestimmten Art bedienten – oder ob es überhaupt eine entscheidende Rolle spielte und wie lange sie benützt wurden, ist nicht nachgewiesen. Sicher aber wird eine natürliche vorhandene (die eventuell noch ergänzt wurde) als göttliches Zeichen gegolten haben, sich hier anzusiedeln oder Sommerquartier für Jagdzüge zu nehmen. Sehr wahrscheinlich sind bestimmte Stellen immer wieder aufgesucht worden. Die oft auffallend phallische Form gewisser Steine war offensichtlich als eine besondere göttliche Offenbarung verstanden worden: hier sollte der Mensch seine Wünsche vortragen und Opfer darbringen. Es war wohl ein Tauschgeschäft. Immer dürfte die Fruchtbarkeit eine entscheidende Rolle gespielt haben. Oft findet sich neben der Schale eine Spalte, die – wie an einigen Beispielen festgestellt werden konnte – mit einem Steinbrocken „befruchtet“ wurden, sowie ein Unterstand für den Opferwächter. Im Idealfall wäre noch eine sog. Baumsensation, etwa ein „Hexenbesen“, ein oben zugewachsener Baumstrunk etc. – Erscheinungen, die von besonders starker Erdstrahlung herrühren dürften – zu beobachten. An den heute fast immer idyllisch gelegenen Stätten finden sich oft Kinderspielplätze.

Nach Anweisungen einer Reihe von Konzilen und Synoden vom 5. bis 7. Jh. waren die Opfersteine zu zerstören oder einzugraben. Wo sie weiter bestanden, wurden sie nach christlichen Legenden umgedeutet.

Einsiedlersteine im Gemeindegebiet:

Besonders schöne Einsiedlersteine sind in der Himmelreith, am Renold- undKienastberg, beim Untersteiner-Gut sowie im Mühlgraben erhalten. Andere sind in letzter Zeit Feldsanierungen, Güterwegen etc. zum Opfer gefallen.

Der große Schalensitz auf dem Phallusstein (wohl der schönste des gesamten Mühlviertels) in der Himmelreith ist nur mit einer Leiter zu erreichen; die Schale am Renoldberg („Geburtsstein“, Fruchtbarkeitskult?), die größte des Mühlviertels – die höher gelegene große Schale und eine kleinere darunter überschneiden sich – ist besonders gut ausgeformt. In der Nähe befindet sich noch der sogenannte Zweisiedlerstein mit 2 Schalen sitzen nebeneinander.

Am Kienastberg hat ein schmaler Felsrücken 2 verbundene Schalen und einen Sitz. Die beiden Einsiedlermauern (eine nur mit Leiter ersteigbar) beim Untersteiner- Gut haben je einen Schalensitz. Der Schalenstein im Mühlgraben zeigt der Fantasie die Eindrücke von Kopf, Gesäß und ausgebreiteten Armen eines am Rücken liegenden Menschen.

Des weiteren gibt es am Kienastberg und am Hausberg über dem Kleindienst-Gut Wackel- und Kugelsteine, die nur kein besonderes Ereignis aus ihrer Anonymität gerissen hat. Auf ersterem Berg ließen sich die Felskammern der sogenannten Häuslmauer leicht zu richtigen Zimmern ergänzen. (Es wurden bis in die 20er Jahre dieses Jahrhunderts, wie etwa am Plenkenberg, tatsächlich solche armseligen Behausungen errichtet. Die Felswinkel, mit Bruchsteinen ergänzt und notdürftig überdacht, dienten Auszüglern, sog. Einsiedlern etc. als Unterkunft).

Für genaue Wegbeschreibungen Tel.:(07265) 5474.

Preis: kostenlos

ACHTUNG: Nur bei Schneefreien Tagen ist ein Zugang möglich.

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