Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten von St. Thomas am Blasenstein gehören die Zigeunermauern mit ihrem Opfertisch und ihren natürlich gedeckten Kammern.

Solche Felsgebilde dürften in anderen Teilen Europas als Vorbilder für Megalithanlagen gedient haben und alte Kultplätze gewesen sein.

In den Höhlen der Zigeunermauern soll sich früher des öfteren fahrendes Volk aufgehalten haben.

Als fahrendes Volk galten im 17. und 18. Jahrhundert Menschen aus sozialen Unterschichten und Randgruppen: Zigeuner, Juden, verarmte Handwerker und Kaufleute, Taglöhner usw. Ohne Bürgerrechte lebten sie von Gelegenheitsarbeiten und betteln, kleinen Diebstählen und wildern. Von der Diskriminierung zur Krimi-nalisierung war es oft nur ein kleiner Schritt.

Jene, die sich gänzlich von den gesellschaftlichen Normen lossagten und das Räuberhandwerk betrieben, sind heute legendäre Figuren.

Einer davon war Hans Jörg Grasel, der vor allem im benachbarten Waldviertel und im unteren Mühlviertel raubte und plünderte, angeblich aber auch Arme beschenkte. Er soll sich gelegentlich auch in der Nähe der Zigeunermauern aufgehalten haben. Bis zu sechzig (!) Mann zählte seine Bande, unter ihnen Gestalten wie der „Lochpracker“, der „Mistkratzerl“, der „Stutzpratzerl“ und der „Bretling-fresser“.

Erst als auf Grasels Kopf 4000 Gulden Belohnung ausgesetzt wurden, ging er den Gesetzeshütern ins Netz. Am 31.01.1818 wurde er mit zwei Mittätern in Wien vor den Augen einer gaffenden Menschenmenge hingerichtet. Seine letzten Worte sind legendär: „Jessas, so vül Leut!“

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